Das Erste Mal – Rollenspiel für Einsteiger

Du willst also in die Welt des Pen & Paper Rollenspiels eintauchen? Herzlichen Glückwunsch! Eine Welt voller Heldenmut, Abenteuer und Spaß wartet auf dich. Doch bevor es losgehen kann, benötigst du noch einiges: Spieler, einen Spielleiter, ein Regelwerk, eine Spielwelt, ein Abenteuer und ein bisschen Ausrüstung, zum Beispiel Würfel. Auf diese sechs Dinge möchte ich im Detail eingehen und ein paar Spiele vorstelle, die sich aus unterschiedlichen Gründen für Einsteiger eignen.

Spielleiter

Die allermeisten Rollenspiele benötigen einen Spielleiter. Dieser gibt die Geschichte vor, beschreibt euch, was eure Charaktere sehen, welche Reaktionen eure Aktionen hervorrufen. Und stellt alle anderen Bewohner der Spielwelt, die Nichtspieler-Charaktere (NSCs oder englisch NPCs) dar.  Viele Einsteiger trauen sich nicht zu, den Spielleiter zu machen. Aber so schwer ist das nicht. Die meisten Rollenspiele habe ein eigenes Kapitel, wie man ein Rollenspiel leitet. Das bietet meist schon viele Hinweise und Tipps.

Auf Youtube kannst du dir Let’s Plays ansehen, wenn du einen Spielleiter mal in Action erleben möchtest. Oder du fragst eine bestehende Rollenspielgruppe, ob du einmal als Gast mitspielen kannst. Das Internet ist da ein echter Segen für den Einsteiger und angehenden Spielleiter.

Sowohl Let’s Plays als auch Gastrunden müssen nicht das Rollenspiel spielen, mit dem du gerne einsteigen möchtest. Es geht darum, zu sehen, wie eine Spielerunde ablaufen kann, nicht wie eine Runde nach gewünschtem System ablaufen kann. (Hier ein Link zu einem Vampire Let’s Play von Orkenspalter TV)

Auf jeden Fall gilt für dein Debüt als Spielleiter: Trau dich! Es ist noch keine Meister vom Himmel gefallen (pun intended). Auch der erfahrenste Spielleiter war mal ein Neuling, und hat vielleicht lange daran gezweifelt, dass er den Job bringt. Wenn allen Beteiligten Spaß hatten, hast du deinen Job richtig gemacht.

Alternativ kannst du auch versuchen, einen erfahrenen Spielleiter zu gewinnen. Erwarte allerdings nicht, dass es dutzende Spielleiter in deiner Umgebung gibt, die nur darauf warten, für eine Gruppe Neulinge den Unterhalter zu geben. Lege dich nicht auf ein bestimmtes Spiel fest. Auch wenn du eigentlich Shadowrun spielen willst: wenn du einen Spielleiter findest, der für euch Dungeons and Dragons leiten würde, nimm das Angebot an! Betone bei der Suche auch, dass es euch darum geht, Rollenspiel einmal kennen zu lernen und nicht einen permanenten Spielleiter für eure Runde zu finden. Für einen One-Shot (eine einzelne Spielsitzung, im Gegensatz zu einer länger dauernden Kampagne) wirst du leichter einen Spielleiter finden.

Spieler

Neben dem Spielleiter braucht es auch einige Spieler, die die Hauptfiguren der Geschichte darstellen. Ich empfehle eine Gruppengröße von 3 bis 5 Spielern. Darunter wird es schwer, weil dein Charakter nicht alle Bereiche des Abenteurerlebens abdecken wird können. Ein Bogenschütze wird nicht viel zum Schießen kommen, wenn ihm niemand die gegnerischen Nahkämpfer vom Leib hält. Der Magier aus der großen Stadt ist in der Wildnis hoffnungslos verloren. Der Dieb kann toll schleichen, aber wenn er erwischt wird, kann er sich nicht aus dem Schlamassel heraus reden. Je mehr Spielercharaktere die Gruppe hat, umso mehr Bereiche kann die Gruppe abdecken. Umso flexibler kann sie auf die Herausforderungen des Abenteuers reagieren.

Andererseits: je mehr Spieler am Tisch sitzen, umso unübersichtlicher wird es. Entscheidungen werden länger diskutiert, man wartet länger auf seinen Einsatz und die Gefahr, dass zwei Spieler sich aus Langeweile über ein anderes Thema unterhalten steigt. Umso weniger Spieler am Tisch sind, umso intensiver kann der Spielleiter auf deren Motivationen und Bedürfnisse eingehen.

Wo findet man aber nun Spieler? Bestimmt hast du in deinem Bekanntenkreis einige dieser Personen:

Leser

Leser von Fantasy- Fiction- oder historischen Romanen sind bestes Spielermaterial! Sie bringen das Interesse und die Neugier für neue Welten und gute Geschichten mit. Wenn du dir vom Rollenspiel mehr erwartest, als Orks und Monster zu töten, wirst du unter den Lesern die meisten Gleichgesinnten finden. Und ein Bonus: du wirst sie nicht abschrecken, wenn du ihnen dein 400-Seiten starkes Regelbuch oder die Weltbeschreibung zeigst.

Serienliebhaber

So wie Romanleser können sich Serienliebhaber für Geschichten begeistern. Und meist schlägt ihr Herz in jeder Serie für einen bestimmten Charakter. Eine tolle Voraussetzung für einen zukünftigen Rollenspieler. Wir alle lieben Tyrion Lannister aus Game of Thrones, oder? Warum also nicht selber einen liebestollen und intriganten Kleinwüchsigen aus einem mächtigen Herrscherhaus spielen?

Computerspieler

Ob World of Warcraft, Fallout oder The Witcher. Die Gattung des Rollenspiels gibt es auch am Computer. Und wer am Computer gerne Rollenspiele zockt, kann sich meist auch für Pen & Paper Rollenspiele begeistern. Computerspieler werden sich sehr schnell mit den Regeln zu Recht finden und die unendlichen Möglichkeiten zu schätzen wissen, die das Pen & Paper Spiel im Gegensatz zu Videogames bietet.

Brettspieler

Egal ob Siedler von Catan, Magic the Gathering oder Warhammer 40k: deren Spieler lieben es, mit anderen zu spielen. Wenn sie nicht ausschließlich spielen, um zu gewinnen, ist die Chance ganz gut, dass man diese Spieler auch für das Rollenspiel gewinnen kann.

Geeks and Nerds

Das Rollenspiel gehört zur Geek-Kultur wie der Dampfhammer zu Bud Spencer. Leser von Comics oder Mangas, Cosplayer und Marvel bzw. DC-Fans lassen sich oft für das Rollenspiel rekrutieren. Besonders wenn es das von ihnen bevorzugte Genre behandelt.

Schauspieler und Entertainer

Personen, die gerne in andere Rollen schlüpfen, geben tolle Rollenspieler ab. In der Laientheatergruppe kann man bestimmt jemanden dafür begeistern. Oder den Typen, der auf jeder Party mit seinen Donald Trump Imitationen begeistert. Reenactor, egal ob keltischer Stamm oder Sturmtruppenlegion zeigen schon mal ein Interesse für ein bestimmtes Setting. Es ist sicher nicht schwer, sie zu einem Testspiel zu überreden.

Unverdächtige

Auch wer keine Videogames zockt und lieber französische Arthouse Filme anstatt Herr der Ringe im Kino sieht, kann ein potenzieller Rollenspieler sein. Vielleicht hast du Freunde, die das selber schon mal probieren wollten, aber bis jetzt zu schüchtern oder zu faul waren, den ersten Schritt zu wagen. Ein Aufruf auf facebook kann zu überraschenden Meldungen führen. Ist mir selber schon mehrfach passiert.

Fremde

Du musst deine Mitspieler auch nicht unbedingt aus deinem Freundeskreis rekrutieren. Ganz old school kannst du auf Schwarzen Brettern an deiner Schule oder Uni oder im lokalen Gaming-Store nach Mitspielern und Interessenten suchen. Oder du nutzt wieder das Internet: es gibt zahlreiche Websites und Facebook Gruppen, die nur dem Finden von Mitspielern dienen. (Zum Beispiel: www.spielerzentrale.de)

Spielwelt

Viele Spielwelten sind sehr detailliert ausgearbeitet. Über Aventurien, die Welt des Schwarzen Auges wurden mehrere Tausend Seiten geschrieben. Aber ihr müsst nicht erst ein halbes Jahr Geschichte, Geographie oder Kultur einer Spielwelt auswendig lernen, bevor ihr mit dem Rollenspiel anfangen könnt. Es gibt einige Settings, die den Einsteiger auch ohne langes Einlesen den sofortigen Start ermöglichen:

Hier und Jetzt

Am einfachsten ist es, die reale Welt der Gegenwart als Spielwelt zu benutzen. Es mag ja Spieler geben, die sich in der Geographie ihrer Lieblingswelt besser auskennen als in Europa, aber im Normalfall verfügt jeder über ein gewisses Wissen über jene Welt, in der er sich ständig bewegt. Oder jene, die aus anderen Medien bekannt ist, wie etwa die USA, in denen ja die meisten Kinofilme spielen. Die Gegenwart hat den Vorteil, dass man auch über den technologischen Stand und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten Bescheid weiß.

Aber auch Jetztzeitwelten, die um Elemente der Mystik oder des Horrors erweitert wurden, die es in der Realität nicht gibt, bieten sich an, wenn man diese Elemente erst im Spiel erforscht. Der klassische Einstieg für Vampire the Masquerade: du wachst nach einer wilden Party auf, und ziehst erstmal die Vorhänge zurück. Und sofort wieder zu, als du bemerkst, wie das Sonnenlicht beginnt, deiner Haut Verbrennungen zuzufügen. Der Spieler muss also gar nicht wissen, dass es Vampire in der Spielwelt gibt und wie deren Gesellschaft aufgebaut ist. Dass er selbst einer ist, muss er erstmal heraus finden. Als Charakter ebenso wie als Spieler.

Historische Welten

Vergangene Epochen unserer Erde, wie das Mittelalter oder die Jahrhundertwende eignen sich ebenfalls für Neulinge. Zumindest wenn ein grundlegendes Interesse an Geschichte vorhanden ist. Im Gegensatz zur Jetztzeit bergen sie aber ein größeres Potenzial an unterschiedlicher Auffassung von der Welt: die Geschichte-Studentin, der regelmäßige Gast auf Mittelaltermärkten und der Vater, der seinem Kind aus Was ist Was – Mittelalter vorliest, können da ganz unterschiedliche Ansichten haben, wie es im Mittelalter abgelaufen ist.

Selbst jüngere Geschichte kann ein Problem sein. Zum Beispiel: wer weiß, wie die Verbreitung von mobilem Internet im Jahr 2001 war? Wie wahrscheinlich wäre es, dass ein Charakter, der einen Büro-Angestellten im Jahr 2001 spielt, ein Mobiltelefon mit Internetzugang besitzt? (Eine kurze Geschichte des mobilen Internets in Deutschland gibt es auf t3n.de)

Bekannte Fantasiewelten

Ist einem unsere Erde zu langweilig, kann man auch auf eine Fantasiewelt zurück greifen, die allen Spielern bekannt ist: das Star Wars Universum, Westeros oder Mittelerde aus dem Herrn der Ringe sollten vielen Spielern soweit bekannt sein, dass man sich eine Vorstellung davon machen kann. Zusätzlich bieten sich diese Welten an, um potenzielle Mitspieler zu überzeugen, das Rollenspiel auszuprobieren. Den Star Wars Fan kann man sicher leichter dazu überreden, ein Star Wars Rollenspiel auszuprobieren, als Call of Cthulhu 1920. Hat man seine Mitspieler hauptsächlich unter Videogamern rekrutiert, empfiehlt sich auch das Spiel in einer Computerspielwelt: Fallout, die Forgotten Realms aus der Baldur’s Gate Reihe oder die World of Warcraft. Je nachdem, was die Leute so gezockt haben und was sie gut fanden.

Unbekannte Welten

Unbekannte Welten eignen sich dann für Einsteiger, wenn sie auch den Spielercharakteren unbekannt sind. Zum Beispiel die Innenseite der Erde in Hollow Earth Expedition. In diesem Setting spielt man zwar Charaktere von der bekannten Außenseite, gelangt aber geplant oder durch einen Zufall auf die Innenseite. Die Charaktere waren noch nie auf der Innenseite. Sie werden ebenso überrascht sein wie die Spieler, wenn sie zum ersten Mal von Dinosauriern angegriffen werden. Aber auch eine noch unbekannte Insel im Pazifik eignet sich dafür. Oder fremde Planeten, wenn die Spieler Astronauten spielen, die eigentlich zur ISS wollten aber durch ein Wurmloch dahin gelangen. Oder sie von Außerirdischen dorthin entführt werden.

Regelwerk

Natürlich kann man mit jedem beliebigen Regelwerk den Einstieg ins Rollenspiel wagen, aber manche eignen sich dafür besser als andere. Eine allgemeine Empfehlung kann man nicht seriös abgeben, das hängt zu stark von deiner Gruppe ab. Die wichtigsten Kriterien sind Komplexität und Spielstil, aber es gibt noch einige weitere:

Komplexität

Rollenspiel-Regelwerke gibt ein in den unterschiedlichsten Komplexitätsgraden. Die Regeln können auf einem Bierdeckel Platz finden oder ganze Regale vereinnahmen. Allgemein rate ich Einsteigern von sehr komplexen und/oder umfangreichen Regelwälzern wie Pathfinder, Shadowrun, Splittermond oder DSA ab. Wie komplex ein Spiel sein darf, hängt von den Mitspielern ab: Computerspieler, die schon in Diablo 2 Stunden damit verbracht haben, ihre Level Ups bis Stufe 99 zu verplanen, werden sich mit komplexeren Regelwerken eher anfreunden können, als die Roman-Leserin oder der Hobbyschauspieler.

Verfügbare Zeit ist auch ein Kriterium: zwar ist es nicht zwingend notwendig, dass jeder Spieler das gesamte Regelbuch gelesen hat, aber gerade die regellastigen Systeme entfalten ihr Potenzial erst, wenn der Spieler die Regeln auch kennt und kreativ oder strategisch einsetzt. Als Student während der Sommerferien mag man diese Zeit haben, berufstätige Eltern werden aber wohl dankend ablehnen, wenn du ihnen das Shadowrun-Regelbuch zum Lesen gibst.

Gerade bei regellastigen Spielen sollte man Spielern, die nicht über massenhaft Freizeit verfügen, anbieten, die Charaktererschaffung für sie zu übernehmen. Oder man benutzt vorgefertigte Charaktere, die es in vielen Regelbüchern gibt oder die man sonst im Internet findet. Einen Charakter in Shadowrun oder Splittermond zu bauen kann nämlich einige Stunden in Anspruch nehmen und wenn man das Regelwerk nicht gelesen und verstanden hat, besteht die Gefahr, dass der Charakter am Ende dann doch nicht so viel kann, wie sich der Spieler das vorgestellt hat.

Spielstil

Ganz grob gibt es zwei Spielstile: ist es euch wichtiger Geschichten zu erzählen oder wollt ihr euren Charakter optimieren und eure Cool Powerz effizient einsetzen? Viele Spieler finden beides gut, aber ihr solltet euch im Klaren sein, was euch wichtiger ist.

Je eher ihr zum Geschichten erzählen neigt, umso dünner sollte das Regelbuch sein. Meine Erfahrung ist, dass umfangreiche Regeln die Kreativität einschränken. Nehmen wir zum Beispiel das Konzept eines Kriegers, der sich aber aus den meisten Konfliktsituationen mit Witz und Charme rausredet. So ein Charakter ist im regellastigen Pathfinder deutlich schwieriger umzusetzen, als im eher leichtfüßigen Fate. Besonders Schauspieler, Romanleser und Seriengucker könnten sich da sehr eingeschränkt fühlen.

Andererseits: Spieler die aus der Videogame- oder Brettspielecke kommen, freuen sich vermutlich über Special Powers und Level Ups. Diese sind mit einem eher mechanischen System besser bedient.

Spielwelt

Hat man sich für eine Spielwelt entschieden, lohnt sich eine kurze Recherche, ob es dazu schon ein oder mehrere Regelwerke gibt. Wenn die Welt einigermaßen bekannt ist, stehen die Chancen dafür ganz gut. A Song of Ice and Fire (Game of Thrones, für die Nicht-Leser da draußen) gibt es ebenso wie Star Wars oder Firefly. Videospiele wie Drakensang oder Baldur’s Gate basieren sogar auf Pen & Paper Rollenspielen.

Der Vorteil einer Regeladaption für die gewünschte Spielwelt: jemand hat sich schon Gedanken darüber gemacht, die Besonderheiten der Spielwelt in Regeln zu fassen. Wer auf Cyberpunk steht, der findet in Shadowrun ein Regelwerk, das Fahrzeugkämpfe, Cyberware und Hacken schon abbildet.

Ein wenig Vorsicht ist aber angesagt: bestehende Adaptionen von Amateuren gibt es in sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen. Wenn ein Autor für sein Star Trek Rollenspiel die Regeln von Dungeons and Dragons benutzt hat, weiß man nie ob die Wahl darauf fiel, weil sich die DnD Regeln für das Setting eignen, oder weil DnD das einzige System ist, das der Autor kennt. Gerade (aber nicht nur) bei Amateursystemen kann man auch nicht sicher sein, wie viel Zeit in Balancing und Testspiele geflossen sind.

In die gleiche Schiene fallen oft Lizenz-Spiele. Also Rollenspiele zu bekannten Marken, meist Filme oder Serien. Wenn der Lizenzinhaber erkannt hat, wie das Merchandising seiner Lizenz abgeht, könnte er auf die Idee kommen, die Lizenz auch noch in Form eines Rollenspiels zu vermarkten. Ob er dann einen renommierten Verlag und einen erfahrenen Game Designer damit beauftragt ist leider nicht gewährleistet. Auch wenn mir jetzt kein konkreter Fall im Rollenspielbereich bekannt ist (sehr wohl bei Brettspielen!), besteht diese Gefahr.

Auf jeden Fall möchte ich aber noch betonen: wenn ihr z.B. Star Wars spielen wollt, müsst ihr nicht unbedingt eines der zahlreichen Star Wars Rollenspiele benutzen. Universalsysteme wie Fate, oder GURPS können sich für deine Ansprüche sogar besser dafür eignen. Oder das Regelwerk eines ganz anderen Settings.

Verfügbarkeit

Idealerweise ist das Regelwerk kostenlos im Internet verfügbar. Und damit meine ich nicht illegale Scans über ein torrent-Netzwerk sondern ganz offiziell auf der Website des Verlags. So kann man sich mal einlesen, ohne vorher eine Investition tätigen zu müssen.

Wenn das Regelwerk nicht online verfügbar ist, dann sollte es zumindest einfach und leistbar zu kaufen sein. Zum Beispiel im lokalen Game-Store und nicht über einen kanadischen Onlineanbieter, wo dann noch 50€ Versand, Einfuhrumsatzsteuer und Zoll anfallen. Lieferzeit: 3 Monate.

Für einige Spieler mag auch noch wichtig sein, dass das Regelbuch auf Deutsch erhältlich ist. Es gibt einige deutsche Systeme und die zumindest die großen internationalen Spiele werden von deutschen Verlagen als Übersetzung angeboten.

Spielerpool

Gerade wenn du noch auf der Suche nach Mitspielern bist, ist es ganz interessant, wie viele Spieler ein Rollenspiel hat. Für Das Schwarze Auge wirst du leichter Mitspieler und Spielleiter finden, als für ein Indie-System aus Südkorea, das bis jetzt noch nicht mal ins Englische übersetzt wurde.

Wenn du hingegen deine Runde zusammen hast, dann solltest du die Fanbase nicht zum Kriterium machen. Wenn die Runde ein Erfolg wird, dann hast du ja deine Mitspieler und wenn nach dem ersten Spiel zu wenige Spieler weitermachen wollen, kannst du ja immer noch in ein anderes System einsteigen.

Abenteuer

Ok, wir haben also einen Spielleiter, 3 bis 5 Spieler, die sich alle schon einen Charakter nach den benutzten Regeln für die passende Spielwelt gebaut haben, Zeit auf Abenteuer zu gehen! Spätestens jetzt braucht der Spielleiter eine Geschichte, die es zu erleben gilt. Im Rollenspieler-Jargon heißt das ein Abenteuer.

Du kannst dir Abenteuer selbst ausdenken. Als Einsteiger rate ich dir allerdings davon eher ab. Zumindest für das allererste Abenteuer rate ich zu einem Kauf-Abenteuer (oder einem kostenlosen aus dem Internet). Diese haben den Vorteil, dass sie meist schon eine interessante Geschichte haben und die notwendigen Werte für Gegner oder Tipps wie andere Probleme gelöst werden können, liefern.

Du musst nur darauf achten, dass das Abenteuer auch für Einsteiger geeignet ist. Sowohl für unerfahrene Spieler als auch für unerfahrene Charaktere. Sonst läufst du in Gefahr, dass die Charaktere im ersten Kampf getötet werden. Oder es ist für das Abenteuer wichtig, den Stammbaum des Fürsten Wallenstein über die letzten acht Generationen zu kennen. Wenn das Abenteuer zu schwer ist für deine Runde aus Einsteigern, kann leicht Frust unter den Spielern aufkommen.

Einige Kauf-Abenteuer sind explizit für Einsteiger geschrieben. Dann wird meist auch in der Kurzbeschreibung darauf hingewiesen. Ansonsten hilft dir hier wieder das Internet: lies dir Rezensionen auf amazon oder in einschlägigen Blogs durch oder frage in facebook Gruppen oder Foren nach.

Die Verfügbarkeit von Abenteuern kann auch ein Kriterium für die Wahl der Spielwelt und des Regelwerks sein.

Ausrüstung

So, um jetzt loslegen zu können, braucht es nur noch ein paar Utensilien. Stift und Papier besagt ja schon der Name deines neuen Hobbys: Pen & Paper Rollenspiel. Sollte ja auch kein Problem sein, das zu besorgen. Für den Stift nimm besser einen Bleistift als einen Kugelschreiber, dann kannst du das auch wieder weg radieren. Zum Beispiel, wenn du beim Zeichnen der Karte einen Fehler gemacht hast, oder du Schaden einstecken musstest, der nun wieder verheilt ist.

Am wichtigsten sind aber die Würfel. Es gibt auch Rollenspiele, die ohne Würfeln auskommen, aber die meisten benötigen welche. Normale, sechsseitige Würfel (W6 oder D6) finden sich bestimmt in jedem Haushalt, viele Systeme benötigen aber spezielle Würfel, etwa zehn- oder zwanzigseitige. Du bekommst sie im Geschäft, in dem du das Regelbuch gekauft hast oder kannst sie auf zahlreichen Onlineportalen bestellen.

Idealerweise hat jeder Spieler einen Satz an benötigten Würfeln, aber zur Not tut es auch ein gemeinsamer Pool.

Die Werte der Spielercharaktere werden in einem Charakterblatt eingetragen. Das hoffentlich übersichtlich ist und im Idealfall die wichtigsten Regeln oder Tabellen enthält. Du findest sie meist auf den Websites der Verlage zum kostenlosen Downloads oder im Regelbuch zum kopieren. Auch digital ausfüllbare Charakterblätter sind heute eigentlich Standard. Gerade bei einfachen Regelwerken spricht aber auch nichts dagegen, den Charakter auf einem Notizzettel zu notieren.

Für einige Rollenspiele werden Battlemap und Miniaturen benötigt. Die Battlemap ist eine Unterlage mit eingezeichnetem Quadratgitter oder Sechsecken. Auf ihr werden die Miniaturen bewegt und geben Aufschluss darüber, mit welchen Gegnern man sich im Nahkampf befindet, oder wie lange man benötigt, um den Bogenschützen zu erreichen. Für die Miniaturen werden Kartonaufsteller oder Figuren aus Plastik, Metall oder Resin benutzt. Oder man nimmt Münzen, Würfel der was sonst noch so rumliegt.

Ein Smartphone oder Tablet ist nicht unbedingt erforderlich. In manchen Runden sind auch elektronische Geräte verpönt. Aber ich will ihre Nützlichkeit nicht verschweigen: Regelbuch samt Suchfunktion, digitaler Charakterbogen und Würfel-App machen das Smartphone zu einem vielseitigen Tool am Spieltisch. Je nach benutztem System gibt es noch weitere nützliche Apps, die das Spiel vereinfachen.

Einsteiger-Boxen

Die Pathfinder Einsteiger-Box. Was braucht man als Anfänger um mit dem Rollenspiel beginnen zu können?
Die Pathfinder Einsteiger-Box. Enthält alles was man für den Einstieg braucht: Würfel, Charaktere, Minis, Map und Abenteuer. Fehlen nur noch die Mitspieler. Foto: Paizo

Einige Rollenspiele haben Einsteiger-Boxen in ihrem Sortiment. Darin befinden sich meist vorgefertigte Charaktere, die benötigten Würfel, abgespeckte Regeln, Papp-Miniaturen (wo benötigt), eine Kurzbeschreibung der Welt und ein oder mehrere Einsteiger-Abenteuer. Kurzum: bis auf die Spieler und den Spielleiter, alles was man für den Einstieg benötigt. Und das meist auch noch zu einem attraktiven Preis.

Ein paar Dinge aber zur Warnung: Die Existenz einer Einsteiger-Box ist meist ein gutes Zeichen dafür, dass der Verlag selbst der Meinung ist, das eigene Produkt ist für Einsteiger zu komplex. Da ist es natürlich gut, wenn man eine abgespeckte Version zur Verfügung stellt, aber diese ist doch meist sehr eingeschränkt.

Zum Beispiel beinhalten diese Sets oft nur Regeln, für die ersten paar Spielsessions. Die Pathfinder Einsteiger-Box behandelt etwa nur die Level 1 bis 5, während im vollwertigen Spiel ein Aufstieg bis zur Stufe 20 möglich ist. Will man darüber hinaus weiter spielen, muss man auf das deutlich komplexere Regelwerk umsteigen.

Die Charaktererschaffung ist fast nie in den Boxen beschrieben. Dafür gibt es ja die vorgefertigten Charaktere. Aber damit ist es eben nicht möglich, sich seinen eigenen Charakter, nach den eigenen Vorstellungen zu bauen.

Will man von der Einsteiger-Box auf das Vollsystem umsteigen, ist das meist mit dem Bauen eines neuen Charakters verbunden. Zuviel an Potenzial würde man sonst liegen lassen, denn nicht alle Ausrüstungsgegenstände oder Special Powers haben ihren Weg in das Einsteiger-Set gefunden. Oft wurden auch Eigenschaften wie Zauber oder Fertigkeiten zusammengefasst, sodass man auch dann nicht den vorgefertigten Charakter weiter spielen kann, wenn man keinen Anspruch an einen optimierten Charakter hat.

Zum Kennenlernen eines Systems und des Rollenspiels an sich sind diese Boxen sicher keine schlechte Wahl.

Womit also starten?

Eine Warnung vorweg: Nimm bitte Abstand davon, in einem Forum oder einer facebook Gruppe nach einem Einsteigersystem zu fragen. Du kriegst nämlich garantiert entweder eine Liste aller verfügbaren Rollenspiel oder die Leute nennen ihr Lieblingssystem. Die kommerziell erfolgreichsten System wie Pathfinder, Splittermond, Shadowrun oder DSA werden zum Beispiel immer genannt werden, eignen sich aber wegen ihrer Komplexität nur mäßig für Einsteiger.

Ich stelle hier einige Rollenspiele vor, die sich meiner Meinung nach besonders gut für Einsteiger eignen. Samt den Vor- und Nachteilen für Anfänger und für wen sich das Spiel besonders eignet.

Die benötigten Würfel verstehen sich im Idealfall pro Spieler. Zur Not kann man sich aber ein Set teilen.

Dungeons and Dragons 5

Cover vom Dungeons and Dragons Player Handbook 5e (© Wizards of the Coast)Der Klassiker unter den Rollenspielen. Dungeons and Dragons (DnD) war das erste kommerziell erfolgreiche Rollenspiel und hat das Image des Rollenspiels stark geprägt. Es spielt auf den Forgotten Realms, die aus Computerspielen wie Baldur’s Gate bekannt sein dürften.

DnD 5 bietet ausreichend Regeln, um Strategen und Optimierer zufrieden zu stellen. Gleichzeitig sind aber die Charaktere nicht so eindimensional wie in verwandten Produkten wie Pathfinder oder die älteren Versionen von DnD. So kann mein Krieger z. B. unter Soldaten, in einem Tempel oder in einem Adelshaus aufgewachsen sein. Ein diplomatisch geschickter Kämpfer, der eine solide Ausbildung in Religion oder Landeskunde bekommen hat, ist damit möglich. Charaktere sind in wenigen Minuten erstellt, soll der Charakter zaubern können ein wenig länger, aber immer noch im Rahmen.

Es gibt eine Einsteigerbox mit 5 Abenteuern und es gibt die vereinfachten Regeln als kostenloses PDF sowie ein System Reference Document (SRD), einer Online Referenz der meisten Regeln. Offizielle Abenteuer gibt es aktuell nicht so viele wie für andere Rollenspiele, aber DnD ist so weit verbreitet, dass man dafür wohl die meisten Fan-Abenteuer im Internet findet.

Zwei kleine Wermutstropfen gibt es: erstens ist DnD 5 derzeit nicht auf Deutsch erhältlich. Ulisses plant die Übersetzung eines französischen Spin-Offs, die ist aber noch nicht heraußen und wird eben keine vollständige Version von DnD 5 sein. Und zweitens: die Bücher sind relativ teuer: Das Player’s Handbook ist für ca. 50€ zu haben. Als Spielleiter sollte man auch Dungeon Master Guide und Monster Manual haben, so dass die Anschaffungskosten bei deutlich über 100€ liegen. Die Bücher sind dafür aber auch qualitativ sehr hochwertig. Die Einsteigerbox ist für gut 20€ erhältlich.

UPDATE: Mittlerweile ist das deutsche Spielerhandbuch für Dungeons and Dragons 5 bei Ulisses erschienen!

DnD 5 eignet sich für fast alle Einsteiger-Typen, da es eine gute Balance an Geschichte und Regeln bietet. Nur Hardcore-Optimierer und Rollenspieler, die am liebsten gar keine Regeln wollen werden nicht ganz glücklich damit sein.

DnD Starter Set auf Amazon

Player’s Handbook auf Amazon

Kostenloser Download der Basic Rules

Benötigte Würfel: Ein volles Würfelset vom W4 bis zum W20 (z.B. das hier)

Vampire: the Requiem / die Maskerade

Cover von Vampire: the Requiem Second Edition (© Onyx Path)Vampire spielt in unserer Welt, nur dass es eben mythische Wesen wie Werwölfe, Dämonen und eben Vampire gibt. Und solche Vampire spielt man in Vampire. Das Setting eignet sich besonders für Einsteiger, weil keinerlei Wissen über die Spielwelt notwendig ist. Denn auch der breiten Masse ist die Existenz dieser Wesen unbekannt.

Vampire bietet den Optimierern ihre Spezialfähigkeiten einzusetzen und zu kombinieren, den Geschichtenerzählern ein Dilemma zum ausspielen: ihre übermenschlichen Kräfte erkaufen die Vampire mit dem Verlust ihrer Menschlichkeit.

Es gibt ein kostenloses Demo-PDF zu Vampire: the Requiem, beim Kauf von Requiem achtet unbedingt darauf, dass ihr die 2nd Edition bekommt. Die erste Edition war nämlich nur ein Zusatzbuch für das Rollenspiel Chronicles of Darkness, das zusätzlich benötigt wurde.

Wer Wert auf ein deutsches Regelbuch legt, greift zur älteren Version Vampire: die Maskerade. Allerdings wurde diese Linie vor einigen Jahren eingestellt und kann mitunter schwer zu beschaffen sein. Aber im Moment ist die 20-Jahre-Jubiläums-Edition ganz gut erhältlich.

Vampire: the Requiem 2nd edition (PDF, englisch) auf drivethru

Vampire: die Maskerade (deutsch) auf Amazon

Kostenloses Demospiel (englisch, drivethru-Account benötigt)

Benötigte Würfel: Mehrere 10-Seiter (idealerweise 10 oder mehr; z.B. das hier)

Dungeon World

Cover von Dungeon World (© Sage Kobold)Dungeon World ist der Star der Old School Bewegung. Mit mehreren Preisen prämiert und hoch gelobt. Die Regeln sind sehr einfach und die Komplexität ist niedrig. Ein Charakter ist sehr schnell gebaut und wird mit jedem Stufenanstieg mächtiger. Es ist sehr schnell zu lernen und bietet dennoch nach oben hin viel Potenzial für Optimierungen.

Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Dungeons erforschen und Monster schnetzeln. Old School eben. Von daher ist es mehr für jene Spieler, die sich gerne mit Regeln beschäftigen. Geschichtenerzähler werden zwar kein Problem haben sich die Regeln anzueignen, werden sich etwas in ihrer Kreativität eingeschränkt sehen. Dungeon Worlds legt aber für ein Old School Spiel erstaunlich viel Wert auf lebhafte Erzählungen.

Besonders gelungen für Einsteiger finde ich die Spielleiter-Moves. Das sind Aktionen, die der Spielleiter seinen Spielern entgegen wirft. Das kann ein einfacher Angriff eines Orks sein, oder aber „Eine unangenehme Wahrheit wird enthüllt“ oder ein gelungener Move eines Spielers wird gegen ihn benutzt. Der Spielleiter-Anfänger wird damit etwas an die Hand genommen und die Liste mit den verfügbaren Moves kann jederzeit als Inspiration dienen, wie man die Story spannend weiter entwickeln kann.

Derzeit ist Dungeon Worlds nur auf englisch verfügbar, der Verlag System Matters arbeitet momentan aber an einer deutschen Übersetzung. Wer aber des Englischen mächtig ist findet auf der Dungeon Worlds Website ein System Reference Document mit den meisten Regeln sowie ein Player Kit PDF mit detaillierten Charakterbögen für alle Charakterklassen und den wichtigsten Regeln.

Softcover Buch + PDF bei Burning Wheel (englisch)

Dungeon World System Reference Document (englisch)

Player Kit – kostenloser Download (PDF, englisch)

Benötigte Würfel: Ein Würfelset vom W4 bis zum W12 (z.B. das hier)

Fate Core / Fate Accelerated

Cover von Fate Core (© Evil Hat Productions)Fate ist ein sehr storylastiges Universalsystem. Für mich bietet Fate Core genau das richtige Verhältnis aus Regeln und Freiheit. Wer hingegen gerne stundenlang an seinem Charakter herumbastelt und optimiert, für den ist es definitiv nichts. Wer gerne Items lootet und sich auf den nächsten Level Up freut, für den ebenfalls nicht. Also mehr was für die Erzählonkeln und -tanten. Als Universalsystem eignet es sich für eine Vielzahl an Genres, vor allem wenn taktische Kämpfe und feuerballschleudernde Magier nicht im Mittelpunkt stehen sollen. Wann immer du also eine Spielwelt bespielen möchtest, für die es kein Rollenspiel gibt, kann Fate eine gute Wahl sein.

Fate Accelerated ist nochmal ein abgespeckte Version von Fate Core. Beide sind seit kurzem auch auf Deutsch erhältlich und die gesamten Regeln beider Versionen findet man als SRD auf der Website und man kann die vollständigen Regelbücher kostenlos als PDF herunterladen. Außerdem auf der Website: zahlreiche Settings für Fate. Als Print Version sind beide Bücher recht günstig zu haben: Fate Accelerated habe ich im Game-Store für 5€ gekauft.

Besonders hervorheben möchte ich noch Malmsturm 2.0. Eine Sword And Sorcery Welt für Fate. Dieses Schmuckstück ist zwar etwas teuer, sieht aber echt gut aus. Es benötigt zusätzlich Fate Core und bietet dafür einige interessante Regelerweiterungen oder Änderungen. Wer keine Orks, Elfen, Zwerge oder Drachen braucht, sollte einen Blick hinein werfen.

Fate Core auf Amazon (englisch)

Turbo Fate auf Amazon (deutsch)

Kostenloser Download von Fate Core und Turbo Fate und noch einigem mehr (PDF, deutsch)

Malmsturm: die Fundamente auf Amazon (deutsch)

Benötigte Würfel: 4 Fate/Fudge Würfel, z.B. die hier

Das Schwarze Auge

Cover von Das Schwarze Auge 5 (© Ulisses Spiele)Das Schwarze Auge, kurz DSA, ist eines der ältesten und das am weitesten verbreitete Rollenspiel im deutschsprachigen Raum. Es eignet sich vor allem für Masochisten und jene, die die EU-Verordnung zur Festlegung pauschaler Einfuhrwerte für Obst und Gemüse 2017/327 als Erotik-Literatur durchgehen lassen. Ich finde es fürchterlich: es ist unnötig kompliziert, spielt sich mühsam, liest sich mühsam und Kämpfe dauern ewig lange. Dennoch spricht für Einsteiger einiges dafür:

Durch die große Verbreitung die es genießt, ist es recht leicht, Mitspieler und Spielleiter zu finden. Oder du kennst jemanden, der dir die Regeln erklären und Bücher borgen kann. Es gibt einen kostenlosen Schnellstarter zum downloaden und eine Vielzahl an Abenteuern zum Kaufen und Fanprodukte zum download. Wenn du Hilfe brauchst, gibt es auf fast jedem Rollenspielforum genug Leute, die deine Fragen beantworten können. Die Spielwelt ist sehr detailliert ausgearbeitet, manchen sogar zu detailliert. Auf jeden Fall wird es dir nicht an Material fehlen. Selbst wenn du wissen willst, welche Feldfrüchte dein Charakter, der aus einem Bauerndorf stammt, im Frühling angebaut hat: auch dafür gibt es Spielhilfen.

Benötigte Würfel: 1 bis 3 Zwanzigseiter und ein bis drei normale, sechsseitige Würfel. Z.B. hier als Set

Dungeon Slayers

Dungeon Slayers Einsteiger BoxNachdem in den Kommentaren Dungeon Slayers mehrfach erwähnt wurde, habe ich mir die Einsteigerbox zugelegt und durchgelesen. Und ich muss den Kommentatoren recht geben: Dungeon Slayers ist tatsächlich ein sehr gutes Einsteigersystem. Das Regelbuch ist um ca. € 15,- zu haben, dürfte aber mittlerweile recht schwer sein zu bekommen. Die Einsteigerbox kostet mit rund € 25,- etwas mehr, bietet aber neben dem kompletten Regelbuch auch ein Einstiegsabenteuer mit sehr vielen Erklärungen für den frisch gebackenen SL. Mit den drei Abenteuern aus dem Regelbuch kann man schon die ersten Stunden und Tage seiner Rollenspielkarriere bestreiten. Auch wenn die Abenteuer allesamt nicht wahnsinnig kreativ sind. Ansonsten findet man in der Box Charakterblätter eine kleine Landkarte, sieben vorgefertigte Charaktere und ein paar Marker. Leider fehlen ein oder mehrere Würfel, für die auch kein Platz in der Box ist. Hier wären ein paar Zentimeter mehr kein Fehler gewesen.

Auf der Website gibt es übrigens einen großen Downloadbereich, wo man das komplette Regelwerk kostenlos als .pdf herunterladen kann und auch einige Abenteuer und Szenarien gibt es hier. Außerdem gibt es mit Gammaslayers eine Post-Apokalypse Version von Gammslayers und als Fanwork gibt es zum Beispiel eine DSA Umsetzung mit dem Namen DS: Aventurien.

Regeltechnisch orientiert sich das Spiel an Old School Spielen. Es bietet dem Charakterbastler etwas mehr Auswahlmöglichkeiten als DnD 5, ohne dabei so riesig und unübersichtlich zu werden, wie Pathfinder. Spieler, die aus der Brettspiel- oder Videospielecke kommen, werden sehr zufrieden damit sein. Und wenn es doch einmal zu wenig Talente und Zaubersprüche sind, dann kann man ja immer noch auf Pathfinder oder Splittermond wechseln. Die Charaktererschaffung geht sehr flott von der Hand. Einziger Wermutstropfen: zu Beginn stehen nur drei Charakterklassen zur Verfügung. Krieger, Späher und Zauberwirker. Später kann man sich noch weiter spezialisieren, zum Beispiel Meuchler oder Paladin, aber das geht frühestens erst auf Stufe 10. Bei insgesamt 20 Stufen ist das sehr spät.

Dungeon Slayers Einsteigerbox auf Amazon

Gammaslayers auf Amazon

Kostenloser Download auf der Dungeon Slayers Website

Benötigte Würfel: einen W20

 

So, dann bleibt mir nur noch dir und deinen Freunden viel Spaß zu wünschen! Denn wenn’s Spaß macht, habt ihr alles richtig gemacht. Wenn dir dieser Artikel beim Einstieg ins Rollenspiel geholfen hat, würde ich mich sehr über einen Kommentar mit deinen Erfahrungen freuen!

4 thoughts on “Das Erste Mal – Rollenspiel für Einsteiger

  1. Ich finde es ja sehr gewagt, in einem Einsteiger-Artikel Systeme zu empfehlen, die nur auf englisch erhältlich sind…
    Ich habe auch schon mit englischen Regelwerken gearbeitet. Aber wenn am Tisch nicht gerade englisch gesprochen wird, sehe ich keinen Mehrwert in englischen Versionen. Aber das sind meine persönlichen Vorlieben.

    Der Einstieg ins Rollenspiel ist selbst mit einfachen Regelwerken für absolute Anfänger (an die sich der Artikel ja richtet) ein so harter Brocken, dass man jede Hilfestellung nutzen sollte.
    Ich würde daher dringend ein deutsches Regelwerk empfehlen!

    Neben DSA (dessen Schwächen unbestreitbar sind) würde ich daher dringend noch einen Blick auf Splittermond, Dungeonslayers oder die deutschen Versionen von Pathfinder, Beyond the Wall, Shadowrun oder Cthulhu empfehlen.

    1. Naja, Englisch sollte ja jeder von uns in der Schule gelernt haben. Ich finde es hingegen gewagt, Einsteigern Splittermond, Pathfinder oder Shadowrun zu empfehlen. Dungeonslayers habe ich weder gespielt noch gelsen, daher empfehle ich es auch nicht. Cthulhu und Beyond the Wall habe ich angedacht, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht angeführt: Cthulhu weil die Thematik recht anspruchsvoll ist und es meist für den Charakter unrühmlich endet, was gerade bei Neulingen frustrierend sein kann. Und Beyond the Wall weil es durch seine offene Struktur dem Spielleiter viel abverlangt. Aber ja, beide sind sicher Einsteigertauglich.

  2. Ich glaube ich muss dazu mal einen eigenen Artikel schreiben. Das Thema treibt mich nun schon länger um.
    Aber erstmal ein paar Anmerkungen:
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    „Ganz grob gibt es zwei Spielstile: ist es euch wichtiger Geschichten zu erzählen oder wollt ihr euren Charakter optimieren und eure Cool Powerz effizient einsetzen?“
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    Sehe ich überhaupt nicht so. Die Differenzierung verläuft mMn anhand der Linie: Rollenspiel als Medium, um eine Geschichte zu erzählen (Analogie: Autoren-Theater) und Rollenspiel als situativ-exploratives Spiel, bei dem eine Geschichte erst im Nachhinein ersichtlich wird (Analgogie: Improtheater oder eingreifende Regie).
    … Cool Powerz und Charakteroptimierung sind grundsätzlich beim „Rollenspiel als Geschichtenerzähl-Medium“ genauso denkbar wie bei „Rollenspiel als Spiel-Medium“ – auch wenn ich zustimmen würde, dass „Powergamer“ tendenziell mehr zur „Spiel-“ als zur „Geschichten-“ Grundhaltung neigen.
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    … auch die diesbezüglichen Tipps zu Regelwerken (reggelleicht und regelreich) halte ich für eine reductio a absurdum (sorry). Barbiespieler (also Leute, die sich gern zwischen Spielterminen mit ihrer Spielfigur beschäftigen) brauchen viele Regeln, um ihre Spielfigur damit „ausmalen“ zu können, damit sie schön und bunt und lebendig wird. Solche Leute tun sich mir knappen Regeln sehr schwer. Barbiespiel (und der Begriff ist nicht negativ gemeint!) wird vor allem von DSA unterstützt und seine Ermöglichung ist mMn ein zentraler Erfolgsfaktor des Spiels.
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    Gute Einsteigerspiele sind mMn:

    Dungeonslayers (das wurde ja bei dem Verschreiber „Dungeon Slayers System Reference Document (englisch)“ schon unabsichtlich genannt)
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    FantasyAge / DragonAge
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    Lone Wolf Adventure Game
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    Warhammer Fantasy Roleplay 2nd
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    Beyond the Wall
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    Leicht verständliche und präzise Fate-Versionen (wie Hunters of Alexandria, Jadepunk)
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    Manche Indies (wie Fiasko, Montsegur 1244, RISUS, Ruh dich nicht aus)
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    … passable Möglichkeiten, die etwas mehr Atem brauchen:
    D&D 5, Aborea, Splittermond Einsteigerbox, Pathfinder-Einsteigerbox, Barabrians of Lemuria, Savage Worlds, WH40-RPG, Vampire/ World of Darkness, Cthulhu
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    weitere Möglichkeiten: Alles was nicht zu schwer ist und bei dem fehlende Zugänglichkeit durch Enthusiasmus und Fan-Hilfe (Community) behoben werden kann. Insbesondere RuneQuest6, Pathfinder, Splittermond, DSA5, D&D 4, Fate Core,
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    Ausschließen würde ich:
    Shadowrun!, Rolemaster, GURPS, HERO System , D&D 3
    .
    [Die Liste beinhaltet keine Aussagen über Qualität oder Spielbarkeit – sondern gilt NUR in Bezug auf die Einstiegshürde.]

    1. Danke für den sehr ausführlichen Kommentar!
      Zu den Spielstilen: das hab ich schlecht formuliert. Grob geht es darum: was ist mir wichtiger? Cool zu sein oder eine coole Geschichte zu erzählen.

      Barbiespiel: wenn ich das richtig verstanden habe, braucht das keine Regeln. Klar, sich eine megageile Waffe zusammenzubasteln gehört auch dazu oder die nächsten 100 Erfahrungspunkte verplanen, aber eben auch Charakterskizzen, Hintergrundgeschichte, Wohnung einrichten, Outifts zusammenstellen usw. dazu. Und: ich mag den Begriff Barbiespiel. Klingt natürlich ziemlich uncool, aber er trifft es ganz gut. Bevorzuge ich auf jeden Fall gegenüber dem ebenfalls gebräuchlichen Mon Plaisier.

      Deine Vorschläge für Einsteigersysteme weichen gar nicht so sehr von meinen ab, außer dass es etwas mehr sind. Dungeon Slayers habe ich, wie bereits erwähnt, nicht berücksichtigt, weil ich es weder gelesen noch gespielt habe. Aber das sollte ich wohl mal nachholen. Vielen Dank auch, dass du mich auf den Fehler beim SRD aufmerksam gemacht hast.

      Einzig bei den ultra-regelleichten Systemen möchte ich dir widersprechen: ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Regeln Einstieger auch inspireren können. Ein einfaches Beispiel: jemand, der aus der Diablo-Ecke kommt, liest auf sienem Charakterblatt, dass er eine Fertigkeit Diplomatie hat und erhält damit einen Hinweis, dass es auch andere Lösungsansätze gibt, als er eben aus Videospielen kennt. Gerade bei Einsteigern, die vielleicht nicht wissen, was sie nun machen können/sollen/dürfen, hilft ein bisschen ein Regelkorsett.

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